Manchmal erreicht sie mich, die Nacht. Gnadenlos kommt sie durch die Ritzen meiner Fenster und Türen. Bricht über mich herein. Die Dunkelheit. Jeden Silberstreif, jeden Funken Hoffnung nimmt sie mit sich. Und lässt mich zurück im Schmerz. Zerbrochenen Hoffnungen. Einsamkeit. Ausweglosigkeit.
Dabei bin doch eigentlich ich diejenige, die ihr Leben lang danach strebt, das Licht zu den Menschen zu bringen. Zu den Menschen, die ihren Weg nicht mehr sehen. Aber manchmal sitze auch ich in der Dunkelheit. In Zeiten wie diesen bricht sie durch. Mit voller Wucht. Übermannt mich. Lässt mich am Boden zurück. Wimmernd und kraftlos. Die Rechnungen stapeln sich. Die Herausforderungen und Hindernisse türmen sich vor mir auf. Versperren mir den Weg. Unüberwindbar liegen sie da. Verdecken den Blick auf den Silberstreif, den ich eben noch zu sehen geglaubt habe. Weg ist er.
Dann hadere ich mit dem Leben. Mit Gott. Mit mir. Frage mich, warum ich nicht auch einfach so sein kann, wie „die Anderen“. Die „normalen Menschen“. Die einfach einen „normalen“ Job machen. Und glücklich sind damit. Die jedes Monat ein fixes Einkommen haben. Ein Sicherheitsnetz. Eine unterstützende, verständnisvolle Familie. Und das berühmte Dorf, das es braucht, um Kinder großzuziehen. In Zeiten wie diesen stehe ich in der Früh auf, während ich darüber nachdenke, wann ich endlich am Abend wieder ins Bett kriechen darf. Weil ich komplett erschöpft und überfordert bin. Ausgebrannt.
Stark sein!
Immer stark sein zu müssen, ist anstrengend. Immer durchhalten zu müssen. Immer alles zu geben. Das ist kräftezehrend. Weitermachen. Durchhalten. Aushalten. Alles geben. Manchmal ist nichts mehr da, das ich geben kann. Dann hab ich das Gefühl, wenn ich mich jetzt hinsetze, kann ich nicht mehr aufstehen. Manchmal kommt die Nacht und bleibt. Sie kommt mir so nah, dass ich ihren Atem im Nacken spüre. Sie schnürt mir die Kehle zu. Nimmt mir die Freude. Wischt das Lachen aus meinem Gesicht. Nur die Lachfalten um meine Augen erinnern noch daran, dass das Lachen einmal da war. Da sind sie wieder, meine steten Begleiter… Existenzängste… Zukunftsängste… Sie kriechen an meinen Beinen hoch wie Spinnen. Eisige Kälte breitet sich in meinem Inneren aus. Die Ängste lähmen mich… bis mir noch schwärzer wird vor Augen. Und was passiert dann? Nichts.
Ich ergebe mich. Lasse die Welle über mich hinwegrollen. Die Tränen zu Boden fallen, bis sie einen kleinen See bilden. Manchmal sogar ein Meer. Bis keine Tränen mehr da sind. Weil ich leer bin.
Und dann stehe ich mühsam auf. Wische mir die Tränen aus dem Gesicht, weil meine Kinder kommen. Weil ich mich daran erinnere, wofür ich das alles mache. Weil Aufgeben keine Option ist. Dann lächle ich, obwohl mir zum Weinen ist. Dann funktioniere ich. So wie immer. Dann spüre ich die Liebe, die ich für meine Kinder empfinde. Und die Dankbarkeit, sie in meinem Leben zu haben. Weil ich weiß, dass sie ein Geschenk sind. Ein Geschenk, das nicht allen Menschen zuteil wird.
Und irgendwann kehrt das Leben zurück. Das Lächeln. Zuerst fratzenhaft… und irgendwann echt. Der Galgenhumor, mein Lebensretter.

